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Deftiges mit Untertönen

Die Komödie von Ludvig Holberg beim „Gartenlaubenfest“ im Odeïon gibt Stoff für pralles und ernsthaftes Sommertheater.

KARL HARB SALZBURG (SN). Zwischen dem Odeïon und der Rudolf-Steiner-Schule in Salzburg-Mayrwies ist eine Pawlatschenbühne aufgeschlagen. Der Platz verwandelt sich bei schönem Abendwetter in einen durchaus ein wenig italienisch anmutenden Spielort, auch wenn das Stück, das dort vom Theater Ecce gegeben wird, eigentlich einen dänischen Autor zum Urheber hat. Ludvig Holberg gilt als der „nordische Molière“. Seine Komödie „Jeppe vom Berge“ erzählt mit drastischen Mitteln eine seltsame (Alb-)Traumreise eines haltlosen Säufers. Statt in der Stadt Einkäufe zu erledigen, trägt er das ganze Geld seiner Frau Nille – die es auch nicht auf lupenreine Art erwirbt – zum Branntweiner. Sein Rausch katapultiert ihn in die Hände des zynischen Barons und seiner Jagdgesellschaft. Diese treibt ein böses Spiel mit ihm. Als Jeppe erwacht, findet er sich in der Rolle des Adeligen wieder. Er gibt aber nicht klein bei, sondern nützt seinen Status weidlich aus, die anderen kurzzeitig an der Nase herumzuführen. Aber da jeder Traum einmal ein Erwachen hat, findet sich Jeppe alsbald wieder auf dem Boden der Tatsachen, also seines armen, aber im Grunde anständigen Lebens. Es braucht nur einen neuen Rausch, um dahin zurückgeschleudert zu werden. Auf dem Galgen aufgeknüpft zu werden, an den Jeppe als falscher Baron den Finanzverwalter wünscht, liegt auf dem Weg dieser eigentümlichen Sittenkomödie. Dass alles nur Spiel und Maskerade ist, gehört zu einem Lustspiel natürlich dazu, aber wenn Jeppe am Ende doch wieder in „häusliche Pflege“ entlassen wird, weiß man nicht so recht, wie er weiter mit den „Realitäten“ zurechtkommen wird. Auch Reinhold Tritscher lässt das als Regisseur fein in der Schwebe. Wieder einmal zeigt der Leiter des Theaters Ecce ein gutes Gespür, aus wenigen Mitteln stimmige Bilder zu schaffen. Mit wenigen Handgriffen lässt sich die Bühne sowohl in die Schenke als auch in das Schloss des Barons verwandeln. Und ebenso schlüpfen – bis auf den sich herrlich verausgabenden Jurek Milewski in der Titelrolle – die anderen Akteure (Beata Milewska, Gerard Es, Jurij Diez, Anna Paumgartner) in unterschiedliche Rollen. In allen sind sie scharf und klar umrissene Figuren. Und auch wenn es in diesem deftigen Spiel nicht um psychologische Feinzeichnung gehen kann, so wird doch die Botschaft von Macht und Ohnmacht, von Besser- und Schlechtergestellten in der Gesellschaft, von pfiffigen Spielern und Spießgesellen und von einer skrupulösen Spaßgesellschaft, die ungeschminkt nach unten tritt, deutlich vermittelt. Der „Jeppe vom Berge“ in der Bearbeitung von H. C. Artmann und Herbert Wochinz, mit „sprechender“ Musik von Rupert Bopp und Johannes Steiner, ist somit ein kerniges Sommervergnügen, aber immer eine Komödie mit bitteren Untertönen. Gespielt wird bis 28. Juli noch fünf Mal, das nächste Mal am Samstag.
10. Juli 2012 | Von EPichler | Dorfzeitung
Der Wettergott meinte es letzten Samstag gut mit dem GartenLaubenFest im Odeïon und so konnte die Premiere des heurigen Sommertheaters als Freiluftveranstaltung über die Bühne gehen. Das 1722 entstandene Stück des „dänischen Molière“ gilt als erste gesellschaftskritische Komödie der europäischen Theatergeschichte.
Der Bauer Jeppe ist Stammgast in einer Kneipe, denn zu Hause setzt ihm seine resolute Frau Nille nicht nur Hörner auf, sie prügelt auch ständig mit der Hundepeitsche auf ihn ein. „Ich bin ein Mann von scharfem Verstand, ergo muss ich trinken.“ Auf dem Weg zum Markt, um grüne Seife zu besorgen, kann er der Versuchung nicht widerstehen, das Geld in Branntwein anzulegen. Völlig betrunken schläft er im Straßengraben seinen Rausch aus, als die feine Jagdgesellschaft des Barons auf ihn aufmerksam wird. Diese beschließt, sich mit dem armen Bauern einen Scherz zu erlauben. So erwacht Jeppe, in feinste Kleidung gehüllt, schließlich im Schloss, im Bett des Barons. Kein Wunder, dass er denkt, er sei im Paradies. Nur allzu schnell findet er Gefallen an seiner neuen Rolle, bald schon gibt er sich ebenso tyrannisch und hochmütig wie der echte Baron. Rund um die urige Pawlatschenbühne im Schulhof der Rudolf-Steiner-Schule in Mayrwies gruppieren sich Biertische und heimelige kleine Pavillons, sogar auf einem Balkon kann man Platz nehmen: ein stimmiges Ambiente für einen gemütlichen Theaterabend im Freien. Jurek Milewski brilliert als gutmütiger Jeppe, dem die Bauernschläue stets aus den Augen blitzt. Ein absolutes Kabinettstück ist die Szene, in der er verzweifelt und natürlich völlig aussichtslos versucht, den Verlockungen des Alkohols zu widerstehen. Ihm zur Seite steht Beata Milewska als sein furchteinflößendes, prügelndes Weib Nille. Ungemein wandlungsfähig zeigen sich Jurij Diez, Anna Paumgartner und Gerard Es. Kaum wiederzuerkennen fegen sie, kurz nach ihrem Auftritt in der Kneipe, als feine, etwas durchgeknallte Jagdgesellschaft über die Bühne. Rupert Bopp und Johannes Steiner sorgen nicht nur bei der feuchtfröhlichen Wirtshausszene mit ihrer Live-Musik für beste Stimmung. Herbert Wochinz und H.C. Artmann haben Ludvig Holbergs Barockkomödie bearbeitet. Mit beißendem Spott und rauer, oft etwas derber Sprache wird aufgezeigt, was Armut aus Menschen machen kann und wie negativ sich Macht, Einfluss und Geld auf den Charakter auswirken können. Eine böse Komödie, ein hochaktuelles Stück, von Reinhold Tritscher temporeich in Szene gesetzt. Ein überaus vergnüglicher Theaterabend, der furchterregende Programmfolder sollte vor einem Besuch nicht abschrecken.