Foto©Andreas Hauch
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JEPPE VOM BERGE

WIEDERAUFNAHME 2017 
 
Komödie von Ludvig Holberg 
Bearbeitung von H.C. Artmann und H. Wochinz
 
Das einzige, wovor der Säufer Jeppe vom Berge Angst hat, ist seine Frau Nille, die ihn mit der Hundepeitsche zur Arbeit treibt und mit dem Mesner betrügt. Nille gibt ihm Geld, damit er in der Stadt Einkäufe besorgen kann. Jeppe versäuft alles. Der Baron und sein Gefolge, eine Horde gelangweilter, skrupel- und mitleidloser Zyniker finden den besoffenen Jeppe auf dem Misthaufen liegend. Baron Nilus läßt Jeppe auf das Schloss schaffen und mit eleganten Kleidern in sein Bett legen, wo er als Baron erwacht. Jeppe glaubt, er habe sich zu Tode gesoffen und sei nun im Paradies. Schnell findet Jeppe Gefallen an Reichtum und Macht über Leben und Tod. Bevor er jedoch das Todesurteil am Finanzverwalter vollstrecken kann, wird er wieder in Vollrausch versetzt. Nun genügt es dem Baron und seiner übermütigen Spaßgesellschaft nicht mehr, ihn nur auf den Misthaufen zurück zu werfen. Mit makabrem Spiel treiben sie Jeppe in einen Sog aus Albtraum und Wahnsinn. Jeppe wird zum Spielball der Mächtigen und kann letztendlich nicht mehr zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden – bis sich die Komödie im allgemeinen Trinkgelage auflöst. 


Die aufklärerische Volkskomödie des „dänischen Moliére“ als Folie für heutige Macht- und Ohnmachtsverhältnisse. Wer ist dieser Jeppe heute? Migrant, Landarbeiter; Arbeitsloser? Woher er kommt, in welchem Land er lebt, spielt keine Rolle. Die Verhältnisse sind ohnehin festgefahren. Die Welt der Mächtigen wird als abgehoben und zynisch erlebt, die Welt der Herrschenden, oder besser „scheinbar Herrschenden“, der Finanzwelt, der „Verwalter“, schon lange nicht mehr verstanden, weil sie längst zu kompliziert geworden ist für einen „ungebildeten Unterschichtler“. Nur ein diffuses, deutliches Gefühl, irgendwie betrogen zu werden, spürt er, betrogen von „denen da oben“. Aber wehe, wenn er an die Macht kommen sollte, und das tut er – aber eben nur scheinbar – auch da wieder nur als „Spielball der Mächtigen“. Jeppe als gestrandeter Vertreter einer „neuen Unterschicht“ arbeitslos, bildungsfern, resigniert, aus irgendeinem Krieg zurückgekehrt, wie auch seine Kinder, ohne Aussicht auf Verbesserung der eigenen Situation. Sein einziger familiärer Rückhalt ist seine sich noch verzweifelt aufbäumende Frau, die versucht ihre eigene Verzweiflung aus ihrem Mann auszuprügeln, die sich in erotische Abenteuer mit dem „Mesner“ flüchtet. Wer immer das ist, jedenfalls scheint dieser noch eine zerbröselnde Sicherheit in einem traditionellen System zu haben.

Zur Macht gelangt, als „Spielball eines zynischen Barons und seiner dekadenten Spaßgesellschaft“ entpuppt sich dieser Jeppe  als autoritärer Despot. Die böse Komödie findet ein jähes Ende, als Jeppe anfängt, seine Macht zu genießen. Alsbald wird ihm die Macht wieder abgenommen und er selbst zurückgelassen in einer Welt, in der er nun gar keine Orientierung mehr findet, in der es keinerlei Sicherheiten mehr gibt, außer die, sich seiner Sucht hinzugeben. Wie Sigismund in Calderons „Das Leben ist ein Traum“ wird er wieder zurückversetzt in seinen „Untergrund“. Aber im Unterschied zu Sigismund wird er für sein „Vergehen“, sich zum Baron zu erheben, zusätzlich zur „Zurückstufung auf seinen Platz“ für die „Hochstapelei“ noch mit dem Tod bestraft. Doch selbst das ist nur ein zynischer Witz. Letztlich wird er wieder zum Leben verurteilt und zurückgeworfen in eine Welt, in ein Leben, das ihm längst zum Traum, zum Alptraum geworden ist.

Nach der Beschäftigung mit Bulgakows „Molière“ knüpfen wir mit dieser „Volkskomödie“, in eigener Bearbeitung der Fassung von H.C. Artmann und Herbert Wochinz an unsere Untersuchung von Macht und Ohnmacht an. Diesmal haben wir eine der ersten gesellschaftskritischen Komödien der europäischen Theatergeschichte dafür ausgewählt, die in modernem Gewande erscheinen wird, ohne an der „story“ grundsätzlich etwas zu verändern – mit Ausnahme der Schlussbotschaft, die da ursprünglich wohl lautete: „Bauer bleib auf deinem Platze.“ Damit zeigen wir uns definitiv nicht einverstanden.
 
Ein Mensch hineingeworfen in eine Welt, in der „postmoderner  Sauglattismus“ herrscht (Peter Bichsel), vom Schicksal hineingestellt in eine Welt, in der er keine Gestaltungsmöglichkeiten mehr hat, außer sich – auf seiner Ebene – demselben „Hedonismus“ zu ergeben wie die herrschenden Schichten auf Ihrer Ebene. Die Beschreibung  gesellschaftlicher Zustände mit den Mitteln des prallen Volkstheaters, akrobatischen Elementen und Livemusik.
 
Wieder einmal zeigt der Leiter des Theaters Ecce ein gutes Gespür, aus wenigen Mitteln stimmige Bilder zu schaffen. ... Und ebenso schlüpfen – bis auf den sich herrlich verausgabenden Jurek Milewski in der Titelrolle – die anderen Akteure (Beata Milewska, Gerard Es, Jurij Diez, Anna Paumgartner) in unterschiedliche Rollen. In allen sind sie scharf und klar umrissene Figuren. ... mit „sprechender“ Musik von Rupert Bopp und Johannes Steiner. (...)
(Karl Harb, Salzburger Nachrichten)

„Jurek Milewski brilliert als gutmütiger Jeppe (...) Ihm zur Seite steht Beata Milewska als sein furchteinflößendes, prügelndes Weib Nille. Ungemein wandlungsfähig zeigen sich Jurij Diez, Anna Paumgartner und Gerard Es. (...) Rupert Bopp und Johannes Steiner sorgen nicht nur bei der feuchtfröhlichen Wirtshausszene mit ihrer Live-Musik für beste Stimmung. (...) Eine böse Komödie, ein hochaktuelles Stück, von Reinhold Tritscher temporeich in Szene gesetzt.“ (Elisabeth Pichler, Dorfzeitung)

Ensemble:
Jurij Diez, Larissa Enzi, Gerard Es, Beata Mileska, Jurek Milewski
 
 
Musik: Rupert Bopp, Muamer Kebic
Bühne: Alois Ellmauer
Kostüme: Nora Fankhauser
Technische Leitung: Simon Habl
Choreographie: Beata Milewska
Inszenierung: Reinhold Tritscher



Preistabelle

Reguläre Vorführung

Abendkasse
Normal 23 Euro
Ermäßigt 17 Euro
Kinder (bis 12) 9 Euro

Vorverkauf noch möglich

Vorverkauf Abendkasse
Normal 17 Euro 23 Euro
Ermäßigt 9 Euro 17 Euro
Kinder (bis 12) 9 Euro 9 Euro

Austritt statt Eintritt

Zählkarte
Anzahl 0

Vorverkauf noch möglich

Karten
Normal 15 Euro
Kinder 9 Euro

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